Haus Lennestein

Übersicht

1. Allgemein

2. Heute in Altena

3. Geschichte

4. Die Gaststätte und ihre Wirte

5. Das Haus und die Schützen

 

 

zu 1.: Allgemein

Das "Haus Lennestein" ist eine Gaststätte in der Altenaer Ortslage Lennestein. Es befindet sich nahe der Steinernen Brücke im Haus Werdohler Straße 15. Die Geschichte des Hauses ist eng mit dem Unternehmer Gustav Selve verbunden.

 

 

zu 2.: Heute in Altena

Im Frühjahr 2016 kauften die Altenaer Brüder Mehmet und Murat K., die auch in Lüdenscheid einen Festsaal betreiben, das Haus Lennestein und renovierten es umfassend.

 

Die Brüder sind in Altena aufgewachsen und seit 2014 in der Gastronomie tätig. Dadurch, dass sie nun zwei vergleichbare Betriebe haben, sollen Synergieeffekte freigesetzt werden. Material und Personal lassen sich dadurch effektiver einsetzen.

 

Schon im Frühjahr 2017 konnte die Kompanie Rahmede ihr Kompaniefest im frischrenovierten Saalbau feiern. Die Bühne wurde auf ihr ursprüngliches Maß zurückgebaut, das Parkett abgeschliffen, die nachträglich angebrachte Deckenverkleidung abgerissen. Im hinteren, für Gäste nicht einsehbaren Bereich, wurde eine voll funktionsfähige Küche eingerichtet.

 

Zum Kränzebinden 2018 konnten die Schützen sowohl im oberen, als auch im unteren Saal das Kränzebinden feiern.

 

Seit Januar 2019 steht das "Haus Lennestein" nun komplett renoviert zur Verfügung. Und das ist sehenswert: Der Eingang wurde dahin verlegt, wo er einst war: In die Mitte des Hauses, unter einen kleinen Balkon. Die Tür wurde von Schreinermeister Jochen Harte nach historischem Vorbild hergestellt. Eine Vielzahl von Strahlern setzen den Eingang und die übrige, neu gestrichene Fassade in Szene. Auch im Gebäude wurden mit Lampen aus Drahtkugeln und farbiger LED-Beleuchtung interessante Lichtakzente gesetzt.

Durch die Eingangstür gelangen die Gäste des Haus Lennestein ins Restaurant mit etwa 50 Plätzen. Gutbürgerliche Gerichte werden dort serviert. Ein Raum für kleinere Gesellschaften schließt sich an, hinzu kommt der kleine Saal, der zugunsten des Restaurants verkleinert wurde.

 

Im Frühjahr 2020 wurde die Außenanlage mit den Parkplätzen gepflastert und asphaltiert und die Bowlingbahn eingeweiht. Abgeschlossen ist die Renovierung des Hauses trotzdem noch nicht, denn eine Kegelbahn soll noch Einzug finden.

 

Viele Gedanken, mit viel Herzblut und viel Liebe zum Detail, haben sich die Bauherren gemacht. Das gesamte Gebäude ist vernetzt, es gibt sogar einen eigenen Serverraum, jede Menge Bildschirme, selbst auf den Toiletten.

 

 

zu 3.: Geschichte

Prolog

Sehr ungewohnt zu jener Zeit: Der Altenaer Fabrikant Gustav Selve kümmerte sich im großen Rahmen um die sozialen Belange seiner Mitarbeiter bei der Firma Basse & Selve. Er baute schon zwischen 1870 und 1880 Arbeiterwohnungen, Kleinkinder- und Handarbeitsschulen, Konsum- und Badeanstalten und sorgte für die Einrichtung eines Unterstützungsfonds für Hilfsbedürftige. Die Gründung der Altenaer Baugesellschaft (ABG) im Februar 1870 ging wesentlich auf sein Engagement zurück.

1880-1914

Im Jahre 1880 ließ er das "Haus Lennestein" als Arbeiterheim, Betriebskantine sowie für gesellschaftliche und kulturelle Zwecke errichten.

Es stand direkt neben der Selvefabrik am Lennestein.

Informationen zur Firma Basse & Selve finden Sie im Schützenlexikon unter → Lennestein.

1914-1918

Während des Ersten Weltkrieges kam der Restaurantbetrieb zum Erliegen und der Saalbau diente als Lazarett für verletzte Soldaten. Diese wurden von der Front mit dem Zügen nach Altena zur Steinernen Brücke transportiert und dann von Rotkreuz-Schwestern mit Handkarren zum Saalbau Lennestein gebracht.

1918-1939

Nach Kriegsende wurde das Haus wieder für gastronomische Zwecke genutzt.

Die nebenstehende Werbeanzeige ist von 1928. Darin bewirbt Ernst Trappe u.a. den modernen Saal mit Bühne und seine vorzügliche Küche.

1939-1945 Auch zum Ende des Zweiten Weltkrieges musste das Restaurant geschlossen werden und erneut wurden verletzte Soldaten in dem Saalbau gepflegt.

1945-1980

Spätestens ab 1949 wurde das Gebäude wieder an Wirte verpachtet, blieb aber im Besitz der Firma Basse und Selve bzw. deren Rechtsnachfolger VDM.

 

Mit dem Stadtumbau um 1977 wurden andere Saalbauten wie der "Märkische Hof" an der Bahnhofstraße, sowie der Westfälische Hof in der Bachstraße am heutigen Markaner abgerissen.

 

1980-1992

Die VDM wollten sich zu dieser Zeit von dem Objekt trennen.  So wurde das Haus Lennestein schließlich 1980 an die Altenaer Baugesellschaft verkauft. Zu den 1249qm Nutzfläche gehörte ein Grundstück mit 2500qm.

Im letzten Saalbau der Innenstadt erfreuten sich die Altenaer an vielen tollen Festen und Ereignissen.

 

Hochzeiten und Kirchfeste, Theaterfreunde, Musikliebhaber, Tanzkurse, Stammtische, Kegelvereine und natürlich die Schützen der Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft, sie alle trafen sich in dem Gebäude mit der denkmalgeschützen Fassade.

 

1992-1997

Der neunköpfige Aufsichtsrat der Baugesellschaft (ABG) beschloss den Weiterverkauf des Hauses, da die laufenden Instandhaltungskosten zu hoch waren und nicht durch Rücklagen aus Verpachtungen gedeckt werden konnten. Der Verkaufswert des denkmalgeschützten Hauses wurde nach WR-Informationen von einem Gutachter auf 600.000 DM geschätzt. Die Stadt war an einem Verkauf nur interessiert, wenn eine Garantie für die Aufrechterhaltung des Saalbetriebes gegeben werden konnte, da der Neubau einer Stadthalle mit der Bebauung des Marktplatzes aufgegeben wurde.

 

Die ABG einigte sich mit Karl-Heinz K., einem früheren Pächter des Hauses, auf eine Privatisierung des Saalbaus. Der Kaufvertrag wurde im Juni 1992 unterzeichnet. Da ein öffentliches Interesse an der Weiterführung des Saalbaubetriebs bestand, wurde von politischer Seite aus eine finanzielle Unterstützung an den Umbaukosten erwogen. Dem neuen Besitzer sollte ein Modernisierungsdarlehen gewährt werden.

 

Seit dem 13. Juli 1992 arbeiteten die Handwerker im Haus Lennestein. Ein Lavastein-Grill wurde eingebaut. Am 22. August war Richtfest für den Anbau, mit dem die Küche und Spülküche erweitert wurden. Die Wetterseite erhielt neue Fenster. Der große Gesellschaftsraum und das Treppenhaus wurden komplett renoviert. Zum Teil wurden neue Fußböden verlegt und neue Lampen installiert. Im Restaurant standen den Gästen seitdem 40, im kleinen Gesellschaftszimmer 18 bis 20 und im großen Gesellschaftsraum 100 Plätze zur Verfügung. Der große Saal bot Platz für rund 300 Personen.

 

Noch vor der offiziellen Eröffnung am 22. September 1992 fand am 12. September das Kompaniefest der Kompanie Kelleramt im "Haus Lennestein" statt.

 

1997-2012

Karl-Heinz K. veräußerte das Objekt 1997 an Chafik Itani. Neue Pächter wurden Marita und Franz-Josef H., die das Haus mit viel Herzblut über 15 Jahre führten. Doch alle Bemühungen der Pächter brachten dem Haus nicht viel, denn leider investierte der Hausbesitzer nicht weiter ausreichend in das Gebäude, so dass dringend erforderliche Sanierungen nicht durchgeführt werden konnten. 2012 endete das Mietverhältnis mit Familie H.

 

2012-2016

Von 2012 bis 2015 wurde das Haus mit anderen Pächtern weitergeführt.

2016 kauften die Gebrüder K. das "Haus Lennestein".

 

 

zu 4.: Die Gaststätte und ihre Wirte

1928 leitet der Wirt Ernst Trappe den Saalbau Lennestein. In einer Anzeige warb er mit seiner vorzüglichen Küche.

Um 1939 / 1940 wurde die Gaststätte von Robert Beisswenger und seiner Ehefrau Magdalena geführt. Sie übernahmen später das Burgrestaurant.

 

Im Jahre 1949 wurden das Haus Lennestein mit dem Saalbau von der Witwe Rudolf Gammersbach bewirtschaftet.

 

1969 ist Karl-Heinz M. als Wirt belegt. 1972 pachtete Karl-Heinz K. die Gaststätte. Ihm folgte Frank M. von der gleichnamigen Tanzschule.

 

1980 wurde das Haus Lennestein von der Firma VDM an die Altenaer Baugesellschaft verkauft. Sie verpachtete die Gaststätte erneut an Karl-Heinz K.

 

Im Juni 1992 kaufte Karl-Heinz K. das "Haus Lennestein" und bewirtschafte es selbst bis 1997.

 

Neuer Besitzer der Immobilien wurde 1997 Chafik Itani. Er verpachtete das Haus an die Familie H. bis 2012.

 

Von 2012 bis 2015 wurde das Haus zunächst von den Brüdern Sascha und Tomislav L. geführt. Sie leiteten zeitgleich auch das Restaurant "Vier Jahreszeiten" im Schützenhof Werdohl. 2015 übernahm Blacky D. für eine paar Monate die Gaststätte. Es folgte der Leerstand.

 

2016 wurde das Haus an die Gebrüder K. verkauft. Sie bewirtschaften das "Haus Lennestein" nun selbst.

 

 

zu 5.: Das Haus und die Schützen

Im ältesten erhaltenen Saalbau der Stadt Altena sind die Schützen und Kränzebinder/innen der Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft häufig und gern zu Gast.

 

Die älteste bekannte Veranstaltung der Schützengesellschaft am "Haus Lennestein" war 1927 ein sogenanntes "Kleines Schützenfest". Dabei fand ein Preisschießen im Buchholz statt. Auf ein Königsschießen wurde jedoch verzichtet.

 

Spätestens seit 1950 traf sich der 4. Zug (Lennestein) der Kompanie Freiheit zum Kränzebinden im "Haus Lennestein" und von 1973 bis 1985 erkor auch der 3. Zug (Lindenzug) das "Haus Lennestein" zum Kränzebinderlokal. 1970 wechselten die Kränzebinder/innen der Kompanie Rahmede zum Binden ihrer Kronen von der Gaststätte "Zum Kronprinz" in das "Haus Lennestein".

Darüber hinaus fanden Kompaniefeste von allen fünf Kompanien der FWG, zahlreiche Vorstandssitzungen sowie Schützenkonzerte und Königinnenbälle im "Haus Lennestein" statt.

 

Aufgrund seiner exponierten Lage zum Schießstand der FWG spielte das "Haus Lennestein" auch bei den Schützenfesten eine besondere Rolle. Von 1950 bis 2015 wurden alle frisch ermittelten Preisschützen und Schützenkönige auf den Schultern ihrer Freunde zum "Haus Lennestein" getragen, um dort die ersten Glückwünsche entgegen zu nehmen. Aufgrund der Gefahren an der vielbefahrenen Bundesstraße 236 ist dies seit 2018 nicht mehr möglich und der Ort dafür musste auf die Steinerne Brücke verlegt werden.

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Christian Klimpel / 2020; Mailto: christian.klimpel@gmx.de

 

Quellen:

- Archiv der FWG

- Stadtarchiv Stadt Altena

- Chronik der Stadt Altena

- Kreisarchiv MK

- Wilhelm Simons; Altena und seine Schützen; 1967

- Westfälische Rundschau

- Altenaer Kreisblatt

- www.wikipedia.de

- www.ghv-luedenscheid.de Der Reidemeister; Ausgabe 180 aus Nov. 2009

- www.wassereisenland.de ; Text: Irene Rumpler M.A.

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